Advent im Lichtbild-Laden(engl. photo-shop)
Artikel von Gastautor Michael Jordan, Koblenz
Wenn der Jahreswechsel naht, wechseln manche Menschen – meist Männer – in den Maskierungsmodus. Dabei bevorzugen sie traditionell als Erkennungszeichen dieser Gruppe ein rotes Gewand. Die Gesichtspartie wird hingegen mit ganz weichen Fasern man könnte sagen mit einer Art Zusatzmodul unscharf maskiert. Hier ist Weiß die Farbe – sofern sie Weiß als Farbe bezeichnen möchten – der weichen Auswahl. Manch einer möchte sich damit endlich ein eigenes Profil zuweisen. Andere sind genügsamer, sie wollen sich damit ganz allgemein nur auf ein Muster festlegen. Damit ist jedoch in beiden Fällen die Basis für ihre Dienste geschaffen.
Mit einer schnellen Registrierung ist manche Frau von diesem Bild sehr angetan und bezeichnet den so ausstaffierten Mann als ihr Smart-Object. Andere sind der Ansicht, dass sie in Ihrem Streben nach Verbindungen mit ein bisschen Animation etwas ausrichten können und geben vielerlei – dem Manne unverständliche – Zeichen. Die Geschichte ist nicht neu. Immer wieder legen es die Beteiligten darauf an, sich günstig zu platzieren – sei es durch Kleidung im excellenten Stile beispielsweise einen besondern Absatz (um eine attraktive Seitenansicht zu bieten) oder das Wandeln auf modischem Pfade.
Doch zurück zum Protokoll und den Herren in Rot in den unterschiedlichen Versionen. Oft werden sie für Mitarbeiter einer riesigen Import – Export Firma gehalten. Ihre Leistung ist außerordentlich, denn nach dem einchecken arbeiten sie hochkonzentriert nur ein paar Tage bevor sie sich wieder deaktivieren.
Alle tragen einen meist überfüllten Beutel, den sie dort öffnen, wo Kinder wohnen. Sie entleeren ihn nach und nach um den Inhalt zu verteilen. Meist wird dieser in einem Schuh platziert. Seltener vor dem Fenster. Auf jeden Fall versetzen Sie den Beschenkten in glückliche Schwingungen so, dass er sich wie auf Wolken fühlt. Daraus entwickelt sich eine dem Feste entsprechende, eigene Dynamik. Trifft der Mann die Kinder an, spricht er einen überlieferten Text mit einigen Grundelementen und wenigen Variablen, der praktisch keine Aktualisierungen benötigt. Damit erhält das Kind die Info, zu welcher Gruppe der Besucher gehört. Für die Kleinen ist dies eine große Hilfe. Der Mann in Rot erlebt bei seinem Erscheinen unzählige Variationen der Freude. Im Verlauf des Tages sieht er immer wieder den Glanz in den Augen der Beschenkten.
Um sicher zu sein, dass er alles verteilt hat, hilft es den Beutel gründlich zu durchsuchen.
Denn jeder der Männer in Rot darf erst nach dem Entleeren des Beutels zum Startpunkt seiner Reise umkehren.
Versuche diesen Prozess zu automatisieren und die Gaben über andere Kanäle zu verteilen führten zu vielen kritischen Anmerkungen. Die anschließenden Korrekturen stellten die alte Vorgehensweise wieder her und wie seit alters her steuern die Männer mit dem Navigator ihres Schlittens die Ziele an.
Damit möchte ich die Geschichte schließen und wünsche Ihnen, dass mit dem vorweihnachtlichen Licht-Schein nach außen auch ein Schein nach innen einhergeht und sie ihn in ihrem Herzen speichern.
Über den Autor:
Michael Jordan, Jahrgang 1962, fotografiert seit seinem 15. Lebensjahr. Geprägt wurde er durch die Begegnung mit dem Fotografen und Benediktinermönch Oswald Kettenberger, von dem er noch während seiner Schulzeit Wesentliches über Fotografie erlernte. Nach dem Abitur entschied er sich für eine klassische Fotografenausbildung. 1997 legte er die Meisterprüfung ab.
Er ist Obermeister der Fotografeninnung Mittelrhein. Seine fotografische Leidenschaft ist die Life-Fotografie, in deren Mittelpunkt der Mensch steht.







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