3 November 2009581 viewsKein Kommentar

Canon EOS 5D Mk II Beurteilung

Canon EOS 5D MK IIvon Hamish Brown

Hat sich das Warten gelohnt?

Ich war lange Zeit, soweit man im digitalen Zeitalter von “lange” reden kann, Nutzer und großer Fan der 5D, dem Vorgänger der Canon EOS 5D Mk II. Ich habe viel zu viel Zeit auf Canon’s Gerüchte-Webseiten herumgestöbert und Vermutungen und angebliche, von offiziellen Quellen ausgeplauderte Geheimnisse über die Mk II gelesen bevor sie überhaupt angekündigt wurde (ich weiß, es gibt wichtigeres im Leben!). Ich glaube nicht, dass irgend jemand geglaubt hat, dass diese Kamera mit unglaublichen 21 Megapixeln kommen würde, und in dieser Hinsicht auf Augenhöhe mit ihrem großen Bruder, Canons Flaggschiff, der 1Ds Mk III, ist (die auch mindestens doppelt so teuer ist …)

Was Sie für Ihr Geld bekommen: die 5D Mk II im Vergleich mit der 5D Mk I

  • 21,1 Megapixel CMOS Sensor – 12,8 Megapixel
  • ISO Bereich 50-25600 – 50-3200 erweiterbar
  • volle 1080p HD Videoaufnahme – keine Videofunktion
  • Live View – kein Live View
  • 3 Zoll LCD Display – 2,5 Zoll LCD Display
  • DIGIC IV Prozessor – DIGIC II Prozessor
  • Eingebauter Sensorreiniger – kein Sensorreiniger
  • 3,9 Bilder pro Sekunde – 3,0 Bilder pro Sekunde

Frisch verliebt

Die ersten Anzeichen meiner neuen Liebe zeigten sich, als ich mir für’s Wochenende ein Kameragehäuse mietete, was gar keine schlechte Idee ist, wenn man drauf und dran ist, viel Geld auszugeben. Allerdings war das eine unnötige Aktion, und ich tat es hauptsächlich, um mich selbst zu überzeugen, dass ich diese Kamera brauche und um das heimliche Vergnügen beim Kauf etwas zu reduzieren. So schön wie die 5D (die ursprüngliche Kamera) war und immer noch ist, die Mk II hat etwas, das sich wie etwas lang Erwartetes anfühlt.

Die Film-Kamera

Das ist unweigerlich das Erste, dass jeder mit einer neuen Canon EOS 5D Mk II ausprobiert; den HD Video-Modus. Spielerei? Praktische Funktion? Schwierig zu beantworten. Ich war von Anfang an von der Qualität der Videoaufnahmen beeindruckt. Ich hatte schon immer eine Videokamera im Haus herumliegen und wünschte mir immer eine Videokamera mit einem 85 mm/ 1,2 Objektiv, um eine Schärfentiefe wie beim professionellen Film zu erhalten, ohne zehntausend Euro ausgeben zu müssen.

Die Zeit des Wünschens ist vorbei.

Ich habe meine neue Canon 5D Mark II sogar mit in die Stadt genommen, in die Soho Video Edit Suite, wo ein Freund von mir arbeitet. Ich filmte ihn in einem Café, er nahm die Speicherkarte aus der Kamera mit zur Arbeit und rief mich sofort an – für ihn war die Qualität überwältigend, er konnte kaum glauben, dass das aus einer digitalen Spiegelreflexkamera kam. Er sieht ständig HD-Videos und arbeitet damit, und die wurden normalerweise mit Kameras und Objektiven aufgenommen, die zehnmal so viel wie die Canon kosten. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es eine Funktion ist, die mehr von Reportage Fotografen genutzt werden wird – es ist definitiv keine Spielerei, aber für mich wird es vor allem eine Fotokamera bleiben – jedoch eine mit einer exzellenten Videofunktion.

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Das Display

Was mich gleich angezogen hat, war das neue Display. Ein halber Zoll macht hier wirklich einen riesigen Unterschied im Vergleich zur ursprünglichen 5D. Auf diesem Display erhält man wohl die akkurateste Wiedergabe der Aufnahmen, die man zur Zeit auf der Rückseite einer Kamera bekommt, und wenn man bis zum Maximum vergrößert, sieht man sehr gut, wie scharf das Bild geworden ist – wichtig auch, wenn man beim Fotografieren nicht ständig einen Laptop mit sich herumschleppen will. Der Unterschied in der Qualität im Vergleich zur alten Kamera ist merklich. Wenn man dann bedenkt, wie lange sich die originale 5D ungeschlagen gehalten hat, sollte das einen Eindruck vom Umfang der Verbesserung geben. Und da wir gerade bei Displays sind – die Live View Funktion ist besonders praktisch, wenn man Stillleben aus schwierigen Winkeln fotografiert und der Sucher für das Auge schwer erreichbar wäre und natürlich im Video-Modus.

Wie fühlt sie sich an?

Man erwartet, dass sie sich gut anfühlt, und man wäre enttäuscht, wenn es nicht so wäre. Für ein Unternehmen mit so viel Erfahrung im Design dieser Dinge wie Canon, müssen sie diese Aufgabe auf jeden Fall hinbekommen. Und sie tun es auch! Wenn Sie jemals eine Spiegelreflexkamera in der Hand hatten, werden Sie merken, dass sich die neue 5D Mark II so anfühlt, wie es sein sollte, gut ausgewogen und alles mit einem Finger (oder Daumen) erreichbar.

Ich habe noch den BG-E6 Batteriegriff hinzugefügt, der die Batterieleistung verdoppelt, aber ich muss sagen, dass ich die Kamera in sechs Monaten in kaum einer Session leer bekommen habe. Es gibt sogar eine neue “Batterie Info” Anzeige im Menü, die anzeigt, wie viele Fotos jede Batterie mit ihrer aktuellen Ladung aufgenommen hat. Eine Prozent Anzeige, die anzeigt, wieviel Ladung noch verbleibt und zusätzlich dazu sagt sie Ihnen, wann die Batterien lange genug gelitten haben und ausgewechselt werden müssen. Ich lege sie jetzt nicht mehr bei jeder Gelegenheit ins Ladegerät, nur noch dann, wenn es nötig ist. Das ist eine ganz einfache Idee, es fühlt sich etwas vertrauenswürdiger an als die traditionellen Batteriestandsanzeigen…

Wenn Sie auf der Straße etwas diskreter sein wollen – nehmen Sie einfach den Griff ab und mischen Sie sich unter die Leute.

hamish-brown

Es ist nicht nur eine Frage der Megapixel…

Auch wenn diese Kamera 21,1 Megapixel hat, so geht es auch um den Sensor. Während sich die digitale Fotografie in ihrer kurzen Geschichte in niedrigen ISO-Bereichen hervorragend entwickelt hat, gab es immer das Problem, dass man in Bereichen von ISO 400 und höher mehr und mehr Bildrauschen riskieren mußte. Besonders im 35 mm-Bereich wurden hier auf jeden Fall klassenübergreifend große Schritte gemacht. Die ersten Bilder hab ich mit 1600 ISO gemacht. Zu sagen, dass ich wirklich nicht enttäuscht war, wäre untertrieben ausgedrückt – die erzeugten Dateien waren wunderbar scharf und detailliert. Ich will nicht so tun, als würden wir ein Ende des Rauschens erreicht haben, aber im Vergleich mit 1600er und aufgewerteten Tri-X Filmen haben wir somit die letzte Messlatte überwunden. Der ISO-Bereich der Kamera liegt bei 50 – 25600 im erweiterten Modus und bei 3200 kann man deutliches Rauschen erkennen, darüber hinaus wird es natürlich nicht weniger. Aber wenn man die Bereiche über 3200 anschaut, dann bekommt man schon mehr als vorher … und man kann es Kunst oder atmosphärisch nennen.

Canon EOS 5d MKII

Weißabgleich…

Der ist so gut, dass dieser fast aus der Liste der Auswahlkriterien herausgefallen wäre. Ich würde beim Aufbau eines Motivs trotzdem weiterhin aus reiner Vernunft/Paranoia eine Graukarte verwenden. Aber für spontane Fotos z.B. Reportage oder bei allgemeinen Fotoshootings brauchen Sie hinterher nicht allzu viele Farbveränderungen an den RAW-Daten vorzunehmen. Bei 90% aller Fotos belasse ich nach dem Import in Adobe Camera Raw die Einstellungen „wie aufgenommen“ und erhalte eine korrekte Wiedergabe der Aufnahmesituation. Wenn Sie Farbkorrekturen an Kunstlicht usw. vornehmen möchten, brauchen Sie eine Graukarte, oder Sie werden zum Experten bei der Farbkorrektur auf der von Ihnen verwendeten Kamera. Die Canon 5D Mark II gibt Ihnen beim Fotografieren ein Gefühl der Zuversicht.

Dateigröße

Es gibt 3 Arten von RAW-Dateien, die Sie verwenden können: RAW, SRAW1 (10MP) und SRAW2 (5MP). Genauso auch drei Größen von JPEGs. Ich habe nur die RAW-Datei verwendet, denn ich habe persönlich keine Bedürfniss für kleinere Bilder – für mich war Teil der Aufregung die Vorstellung von riesigen Dateigrößen. Die erzeugten RAW-Dateien sind etwa 60MB groß. Die Details, die eine RAW-Datei wiedergeben kann, sind meiner Meinung nach unglaublich. Ich bin mir nicht sicher, ob man kleinere RAWs überhaupt benötigt, aber wenn man schnelle Aufnahmen schießt, oder die letzte Flash-Karte fast voll ist, dann kann man vielleicht auf das kleinere Format umsteigen um alles drauf zu bekommen. Ich werde immer die maximale Größe haben wollen, ansonsten erscheint mir eine solche Kamera sinnlos. Ich fotografiere normalerweise gleichzeitig auf RAW und auf JPEG (klein), und verwende die JPEGs dann zum Bearbeiten (geht schneller) und nehme mir dann die RAW-Datei vor, wenn ich meine Wahl getroffen habe. A2-Ausdrucke sind kein Problem… Man hat nur ein kleines bisschen mehr Freiheit als beim Mittelformat und trotzdem noch tonnenweise Qualität.

Belichtungsmessung /Fokus

Die Canon 5D Mark II hat die gleichen Mess- und Fokussiersysteme wie die ursprüngliche 5D – ich nehme an, Canons Motto ist, “warum ändern, wenn’s funktioniert”, und warum auch nicht?! Das Fokussieren könnte sicher immer noch schneller und gleichmäßiger gemacht werden (was aber auch vom Objektiv abhängt), aber ich glaube, dass die Belichtungsmessung in kleineren Stufen am besten ist. Canon hat in beiden Bereichen schon seit längerem gute Arbeit geleistet…

Wer will eine solche Gelegenheit verpassen?

Wer will eine solche Gelegenheit verpassen?

Im Sucher (der übrigens 98% groß ist) befinden sich neun AF-Messfelder, und drei Fokussiermodi: Einzelaufnahme – selbsterklärend; AI Servo – für sich bewegende Motive; und AI Focus: der Wechsel von Einzelaufnahme zu AI Servo, falls das Motiv anfängt sich zu bewegen. Aber nicht vergessen, das Objektiv vorher auf AF zu stellen!

Wir könnten wahrscheinlich ein paar mehr Messfelder gebrauchen (wir könnten aber auch die 1Ds Mk III kaufen, falls das ein großes Problem ist), aber ich fand das bisher nie problematisch, den Auslöser halb herunterzudrücken und wenn nötig, das Bild neu zusammen zu setzen. Die Kamera hat folgende Belichtungsmessungsmodi: Mehrfeldmessung – beschrieben als ein universeller Belichtungsmessungsmodus für Portraits; Selektivmessung in Suchermitte – gut, wenn der Hintergrund viel heller ist als das Motiv; Spotmessung und die gute alte mittenbetonte Integralmessung. Ich bevorzuge die Einstellung Mehrfeldmessung mit dem Luxus des Kameradisplays wenn es kompliziert wird. Wenn ich im Atelier fotografiere, stelle ich es auf manuell, und verwende ein Hand-Blitzmessgerät.

5D Mark II Layout / Bedienung

Jetzt laufe ich Gefahr, herablassend zu klingen, aber es gibt nur einen beschränkten Bereich, wo man die Bedienelemente platzieren kann. Das Layout von Spiegelreflexkameras wird normalerweise nicht radikal geändert, ein paar kleine Verfeinerungen hier und da – die wahrscheinlich größte Veränderung der Neuzeit ist das Display auf der Rückseite einer digitalen Spiegelreflexkamera und natürlich der fehlende Platz für die Filmrolle. Im Vergleich mit der ursprünglichen 5D gibt es eine zusätzliche Auswahltaste, um den Bildstil bzw. Picture Style auszuwählen. Hierdurch kann man schnell von Landschaftsaufnahme zu Portrait oder Monochrom etc. wechseln. Weiterführend kann man dann noch Schärfe, Kontrast, Sättigung und Farbton wählen. Diese sind aber nur dann relevant, wenn Sie auf JPEGs fotografieren, denn die Kamera verwendet diese von Ihnen gewählten Einstellungen für die Verarbeitung des Bildes in der Kamera. Wenn Sie eine RAW-Datei mit Canons DPP Software bearbeiten, wird der Bildstil angewendet. Sie können jedoch auch zum Standard-Bildstil zurückkehren, wenn Sie das wünschen.

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Zusätzlich zum Auslöser finden Sie oben auf der Kamera die Einstellmöglichkeiten für Belichtungsmessung, Weißabgleich, AF-Drive, ISO und der Knopf für den Blitzausgleich ist praktischerweise gleich neben dem LCD Display, das Ihnen Ihre aktuellen Einstellungen anzeigt. Bedient werden sämtliche Einstellungen durch die zwei Einstellscheiben (Haupt- und Schnelleinstellscheibe), die oben und auf der Rückseite der Kamera angebracht sind. Ich verwende beide etwa gleich oft und würde Canon gerne fragen, warum die eine Haupteinstellring und die andere Schnelleinstellring heißt.

Direkt über dem Schnelleinstellring befindet sich auch der “Multicontroller”-Knopf – so etwas wie ein kleiner Joystick – per einmaligen Knopfdruck wird der “Bildschirm für die Schnelleinstellung” angezeigt. Durch das hin- und her Bewegen auf der Anzeige kann man mit den Einstellrädern der Kamera so ziemlich alle aktuellen Einstellungen ändern. Nettes Feature, aber da ich eher traditionell bin, vergesse ich oft, dass es diese Möglichkeit gibt. Viele der Einstellungen können individuell angepasst und gespeichert werden und dann mit dem Modus-Wahlrad (oben links) aufgerufen werden. Also dort, wo Sie auch Ihre Aufnahmemodi Blenden- und Zeitautomatik, Manuell, Programmautomatik, Bulb und zwei Vollautomatische Modi finden.

Reinigungssystem

Ich musste das ja irgendwann erwähnen – als Standardeinstellung, immer wenn man die Kamera ein- oder ausschaltet, reinigt die Kamera den Sensor (schüttelt von selbst etwas Staub ab, man braucht nicht mehr mit dem Finger und Reinigungsstäbchen herumwurschteln!) Eine solche Sensorreinigung war bei der ursprünglichen Canon EOS 5D nicht möglich, und für mich ist es einfach genial. Eine Sache weniger, um die ich mich kümmern muss. Sie werden den Sensor von Zeit zu Zeit auch mal richtig reinigen müssen – aber wenn Sie nicht so genau wissen, wie man das macht, sollten Sie es lieber professionell machen lassen, vorzugsweise von einem autorisierten Service Center – der Sensor ist einer der Orte, wo keine Fingerabdrücke sein sollten!

Ewige Liebe

Als ich etwas weiter oben über das Layout und die Bedienelemente sprach, suchte ich nach einem Wort, das mir erst einfiel als ich über die Menüs nachdachte. Kamera nehmen, einschalten, Menüknopf drücken und der Rest kommt von selbst. Die Kamera verfügt über eine logische Einfachheit und ich glaube, das Wort nachdem ich suchte, war intuitiv. Ich glaube hier hat Canon genau ins Schwarze getroffen.

Das Wochenende, an dem ich die Kamera gemietet hatte, fühlte sich am Ende elend lang an und ich konnte es kaum erwarten meine eigene Kamera zu kaufen. Ich habe meine 5D verkauft (bereue das etwas, aber wenn man sich anschaut, für welche Preise die noch weggehen, dann spricht das Bände für das Original). Die Kamera ist auf jeden Fall als Langzeitinvestition geeignet und wenn man mal bedenkt wie lange es die 5D gab, glaube ich, dass es diese hier sogar noch länger geben wird. Man braucht sich jetzt nicht mehr jeden Monat umzuschauen, um zu sehen, wie weit man technisch zurückgefallen ist. Jetzt muss man nicht mehr auf die Megapixel schielen, sondern kann sich auf das Fotografieren konzentrieren. Die Canon 5D Mark II ist halb so teuer wie die Flaggschiffmodelle der großen Marken, bietet jedoch eine Qualität, die das bloße Auge kaum von den Superkameras unterscheiden kann.

Wenn Sie sich entschlossen haben die Kamera zu kaufen, empfehle ich nur nicht durch die Objektive der L-Serie zu schauen, das ist einfach gefährlich.

Und wie bewerte ich die Kamera?

Es hat mich wieder dazu motiviert, meine Kamera so oft wie möglich mitzunehmen, 9 von 10 Punkten

9

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