Gefilterte Fotos
von Michael Breitung, Januar 2012
Als Landschaftsfotograf sind für mich neben Kamera und Stativ Filter das wichtigste Fotoequipment. Mit der richtigen Kombination ist es möglich, auch in schwierigen Lichtverhältnissen das Gesehene einzufangen.

Stormy Adraga - Canon EOS40D, Tokina 11-16mm, Hoya HD Polfilter, Lee 0.9 Hard GND, Lee 0.6 Soft GND, Lee 0.6 ND
Nun gibt es eine Menge unterschiedlicher Filter verschiedener Hersteller und es ist nicht immer einfach, sich da zurechtzufinden. Was für einen Filter brauche ich in welcher Situation, welche Filter sind gut und vor allem, wie lassen sie sich kombinieren?
In den letzten drei Jahren habe ich diese Fragen für mich beantwortet und mittlerweile ein paar Präferenzen. Diese möchte ich hier mit euch teilen. Vll. helfen euch ja die Erfahrungen, die ich gemacht habe, bei der Auswahl des richtigen Filters weiter.
Polfilter
Bei mir der "immer-drauf" Filter. Je nach Situation benutze ich ihn, um Reflexionen zu reduzieren und so Farben zu verstärken oder aber auch, um Reflexionen zu maximieren.
Ein Beispiel: Ich fotografiere gerne Wasserfälle, am liebsten bei bedecktem Himmel und Regen. In diesem diffusen Licht kann ich mit dem Polfilter die Farben der Landschaft sehr intensiv aufnehmen. Besonders Gräßer und Blätter erscheinen sehr farbintensiv, wenn Reflexionen herausgefiltert werden.
Anders, wenn ich z.B. an einem ruhigen Bergsee fotografiere. Da möchte ich die Spiegelung der Berge im Foto sehen. Hier drehe ich den Polfilter so, dass er polarisiertes Licht durchlässt.

Colorful Dreaming - Canon EOS40D, Tamron 17-50mm, Hoya Pro1 Polfilter, Lee 0.6 Hard GND, Lee 0.6 soft GND
Ich bin ein Fan von Hoya Polfiltern. Die Verarbeitung ist exzellent und die Filtereigenschaften sehr gut. Ich ziehe die HD Polfilter den Pro1 Polfiltern von Hoya aus mehreren Gründen vor.
Zunächst einmal schlucken sie weit weniger Licht und sind somit als "immer-drauf" Filter besser geeignet. Außerdem lassen sie sich schlierenfrei abwischen, was bei den Pro1 Filtern immer eine Qual war. Das habe ich auch bei anderen mehrfach beschichteten Filtern gemerkt.
Ich habe es auch noch nicht geschafft, meine HD Filter zu verkratzen, was ich vom Pro1 nicht behaupten kann. Schließlich sind die HD Filter butterweich drehbar, bleiben aber dennoch gut in Position. Auch wenn ich noch den Lee Filterhalter mit 2-3 Filtern davorschraube.
Verlaufsfilter
Da wären wir auch schon beim nächsten Thema. Verlaufsfilter oder Graduated Neutral Density Filter sind beinahe genau so wichtig für mich wie Polfilter. Mit ein oder zwei Verlaufsfiltern kann ich die Helligkeit des Himmels gegenüber dem Vordergrund sehr gut ausbalancieren und so meist auf Mehrfachbelichtungen verzichten.
Doch war die Entscheidung, welche Verlaufsfilter die richtigen sind, alles andere als einfach. Lee, Hitech, Cokin? Genau das war die erste Frage, die sich mir gestellt hat. Bei Cokin lese ich oft von Verfärbungen, vor allem bei der Kombination mehrer Filter. Damit war Cokin gleich aus dem Rennen. Ich habe mich damals aufgrund vieler positiver Erfahrungsberichte für Lee entschieden, wobei man von Hitech auch viel Gutes liest.
Ich besitze jetzt einen Lee 0.6 soft GND, einen Lee 0.6 hard GND und einen Lee 0.9 hard GND. Zusätzlich zu den Filtern benötigte ich noch einen Filterhalter und für meine Objektive jeweils den passenden Adapter.
Hier wartete die nächste Entscheidung. Weitwinkeladapter oder Normaladapter? Für mein Tokina 11-16 Objektiv habe ich Ersteren gekauft. Für mein Tamron 17-50mm nur einen Normaladapter. Die falsche Entscheidung.
Während ich beim Tokina vor dem Polfilter den Lee Filterhalter mit bis zu drei Filtern ohne starke Vignettierungen verwenden kann, treten diese beim Tamron schon bei Brennweiten um 25mm auf. Der Weitwinkeladapter ist also schon ab diesem Brennweitenberich auf Crop Kameras sinnvoll.
Nun bin ich auf eine Canon EOS 5d Mark ii umgestiegen und besitze ein Canon 16-35mm Weitwinkel Objektiv. Auch hier benutze ich die Lee Filter. Jedoch musste ich eine Anpassung vornehmen, um auch bei 16mm ohne starke Vignettierung fotografieren zu können.

Winter Light - Canon EOS 5D Mark II, Canon 16-35mm, Hoya HD Polfilter, Lee 0.6 Hard GND, Lee 0.6 Soft GND
Ich verwende wieder einen Hoya HD Polfilter und davor den Lee Filterhalter. Jedoch nur noch mit maximal 2 Filtern. Dann gibt es auch bei 16mm nur minimale Vignettierung. Am Filterhalter kann man dafür einen Filterslot abnehmen.
Eine lohnende Alternative über die ich momentan nachdenke, wäre ein Polfilter von Lee, den ich dann direkt am Lee Filterhalter befestigen könnte, um so auf den Hoya Polfilter zu verzichten. Damit wären Vignettierungen wohl kein Thema mehr, aber das ist momentan noch eine Vermutung.

First Snow - Canon EOS 5D Mark II, Canon 16-35mm, Hoya HD Polfilter, Lee 0.6 Hard GND, Lee 0.6 Soft GND
Ich fasse nochmal kurz zusammen, drei Verlaufsfilter von Lee besitze ich nun. Diese trage ich, wenn ich fotografiere, für schnellen Zugriff in der Lee Triplepouch am Gürtel. Zusammen mit Filterhalter und Adaptern ist das Ganze nicht gerade billig.
Wer also etwas sparen möchte, dem hilft vll. folgendes weiter. Wenn ich nur einen Verlaufsfilter hätte, dann sollte es der Lee 0.6 hard GND sein. Wer mehr in hügligem Gelände unterwegs ist oder in den Bergen, für den wäre der Lee 0.6 soft GND evtl. die bessere Lösung. Eine Alternative wäre auch ein Hitech 0.6 hard GND dann würde der Geldbeutel noch weniger belastet.
Und wer sich die Frage stellt, ob er überhaupt Verlaufsfilter braucht, der kann in meinen Artikel auf KWERFELDEIN reinschauen.
Graufilter
Komplettiert wird meine Filtersammlung von zwei Neutral Density Filtern. Da ich den Lee Filterhalter ohnehin schon hatte, habe ich entsprechend auch Graufilter von Lee erworben, die ich bei Bedarf ebenfalls in den Halter stecken kann. So kann ich die Filter auch kombinieren.
Einen Lee 0.9 ND Filter verwende ich sehr gerne um Wasser seidig glatt zu machen. Z.B. beim Fotografieren von Wasserfällen.

Way to the Fairy Pools - Canon EOS40D, Tokina 11-16, Hoya HD Polfilter, Lee 0.9 Hard GND, Lee 0.6 soft GND, Lee 0.9 ND
Zudem schlummert ein Lee Big Stopper in meiner Fototasche. Ja, dort schlummert er meistens, weil ich ihn nur verwende, wenn ich tagsüber Langzeitbelichtungen machen möchte. Er verschluckt 10 Blenden Licht und ermöglicht so auch mittags Belichtungen von über 30 Sekunden. Den gibt es übrigens auch etwas billiger von Hitech.
Zum Abschluss bleibt noch zu sagen, dass meine Filterausrüstung nur eine von zahlreichen Möglichkeiten darstellt. Es lohnt sich immer, selber zu experimentieren und seine eigenen Erfahrungen zu machen. Ich hoffe jedoch, dass dieser Artikel ein paar Fragen beantwortet und bei der Entscheidung für die richtigen Filter hilft.
Über den Autor:
Michael Breitung ist begeisterter Landschaftsfotograf. Erst seit 3 Jahren beschäftigt er sich intensiv mit Fotografie. Wenn es ihm sein Beruf als Softwareentwickler erlaubt, macht er sich auf die Suche nach lohnenden Motiven, sei es in Deutschland oder in anderen Ländern. Sein Lieblingsziel ist dabei Großbritannien, das mit seinen spektakulären Landschaften schon oft Ziel seiner Reisen war.
Auf seiner Homepage (www.mibreit-photo.com) bietet er zudem einige seiner Fotos als Fineart Druck an.







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