Photokina 2010 – Ein Vorgeschmack
Artikel von Gastautor Michael Jordan, Koblenz

Die Weltmesse steht vor der Tür und wie alle zwei Jahre sind die Erwartungen gross. Die Hersteller geben schon erste Informationen heraus, was Sie präsentieren werden; in Fachzeitschriften gibt es erste Ankündigungen und auch die Bilderschauen werden beworben.
Für Profi-Fotografen und Händler ist sie in erster Linie eine Informationsveranstaltung und ein Ort Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Für den Amateur hingegen ist die Photokina ein Besuch im Schlaraffenland, wo alle Träume erfüllt werden.

Meine erste Photokina war 1982. Ich war Auszubildender im ersten Lehrjahr und hatte keine Vorstellung von dem, was mich erwarten wird. Es war überwältigend. Riesige Hallen vollgefüllt mit all den Dingen von denen mein Jungfotografenherz nur träumen konnte. Dazu gab es Prospekte ohne Ende, um die Träume zumindest auf Papier mitnehmen zu können. Kannte ich aus meiner Heimatstadt nur die Auswahl zwischen drei Fotogeschäften mit eher überschaubarem Angebot, sah ich mich hier einer unüberschaubaren Fülle gegenüber. Und wie gesagt: Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich bin zwar nicht direkt einem Kollaps erlegen, aber sehr weit davon entfernt war ich – so bilde ich es mir heute ein, jedoch nicht. Ich ging von Halle zu Halle, versuchte mich zu orientieren, wo denn die Kameras und Zubehörteile zu finden sind, die mich interessierten und wartete geduldig in zweiter oder dritter Reihe an den Ständen, bis ich langsam vorrückend auch endlich drankam um die Geräte meines Begehrens kurz in die Hand nehmen zu können. Dazu ein paar Fragen an völlig überarbeitete Berater zu stellen um dann dem nächsten meinen Platz zu überlassen – glücklich darüber die Traumkamera oder was auch immer – in den Händen gehalten zu haben. Toll – und der Reflex das Teil bald selber besitzen zu wollen setzte unmittelbar ein. Dann zum nächsten Stand und das Gleiche von Vorne: anstehen, mit Gleichgesinnten ein wenig fachsimpeln, warten und so weiter. Einen ganzen Messetag lang.
An dem Stand eines Mittelformatkameraherstellers gab es einen Wettbewerb, wer am schnellsten einen Rollfilm einlegen kann. Ein Wettbewerb über das schnelle Einlegen einer Speicherkarte ist mir noch nicht bekannt.
Der erste Photokinabesuch ging viel zu schnell rum, lag es doch auch daran, dass ich zwar viel sehen wollte, aber keinen Plan hatte. Das Erlebnis war insgesamt so nachhaltig, dass ich eine ganze Weile brauchte, um die Eindrücke zu verarbeiten. Das gesammelte Prospektmaterial war dabei Hilfe und spornte mich zu verschiedenen wichtigen Investitionen an. Und so dauerte es eine Weile, bis die Veranstaltung nicht mehr nachwirkte und ich begann unmittelbar mich auf die nächste Photokina zu freuen.
An meinem Interesse, für mich wichtige Neuigkeiten in die Hand nehmen zu wollen, hat sich nichts geändert. Das werde ich auch in diesem Jahr wieder machen. Aber ich hab einen Plan. Das Wichtigste schau ich mir zuerst an. Egal ob weite Laufwege zwischen den einzelnen Stationen sind. Dann kommt die Kür, also das, was nicht wesentlich, aber auf jeden Fall interessant ist und anschließend gehe ich so durch die Hallen und schaue, was mir sonst noch ins Auge fällt.
Ein nach wie vor Prospektmaterial sammelnder Kollege nimmt immer einen Einkaufstrolley mit und fährt so seine gedruckte Beute durch die Messehallen. Das sieht auf den ersten Blick etwas absonderlich aus, aber wer schon mal einen Messetag lang ein paar Kilo Prospekte herumgetragen hat, der kann dieser Vorgehensweise viel positives abgewinnen.

Gerne schaue ich mir auch in diesem Jahr Papiere für den Photodrucker an, denn die möchte ich auch anfassen können um zu prüfen, ob sie für meine Aufgaben sinnvoll sind. Das leistet ein Prospekt oder die Information aus dem Internet nicht. Zudem und das macht die Photokina für mich in diesem Jahr besonders, werde ich am Stand des Arbeitskreises Digitalfotografie am Donnerstag und am Freitag einen Vortrag halten. Eine neue Erfahrung auf die ich mich freue.
Photokina 2010 – ein Ort der Begegnung – und vielleicht begegnen wir uns auch.
Über den Autor:
Michael Jordan, Jahrgang 1962, fotografiert seit seinem 15. Lebensjahr. Geprägt wurde er durch die Begegnung mit dem Fotografen und Benediktinermönch Oswald Kettenberger, von dem er noch während seiner Schulzeit Wesentliches über Fotografie erlernte. Nach dem Abitur entschied er sich für eine klassische Fotografenausbildung. 1997 legte er die Meisterprüfung ab.
Er ist Obermeister der Fotografeninnung Mittelrhein. Seine fotografische Leidenschaft ist die Life-Fotografie, in deren Mittelpunkt der Mensch steht.





Kommentar abgeben