Super Tips für Landschaftsfotografie
Der Schlüssel zu toller Landschaftsfotografie ist eine Kombination aller Grundlagen (weiterlesen) mit kompositorischen Fähigkeiten (diesen Teil steuern Sie hinzu). Stellen Sie sich vor: Sie sind mit Ihrer Kamera unterwegs, mysteriöserweise wurden Sie an einen geheimen Ort mit einer perfekten Landschaft gebeamt und das Licht ist auch einzigartig. Nachdem Sie einige Speicherkarten mit Aufnahmen gefüllt haben, gehen Sie nach Hause, fahren den Computer hoch und schauen sich Ihre Fotos an; leider haben viele davon überbelichtete Lichter, schiefe Horizonte und unscharfe Details. Für den Fall also, dass Sie jemals an diesen perfekten Ort gebeamt werden, sind hier unsere Top-Tipps für die Landschaftsfotografie…
Verwenden Sie Filter, nicht Photoshop!
Das Foto sofort richtig in die Kamera zu bekommen ist viel zufriendenstellender als sich nur auf die Nachbearbeitung zu verlassen und durch ein Minimum an digitaler Bearbeitung bewahrt man eine bessere Bildqualität. Für Landschaftsfotografen stellen Filter die Hauptzeitersparnis in der Photoshop-Nachbearbeitung dar. Hier sind die wichtigsten drei Filtertypen für die Landschaftsfotografie:
Abgestufte Neutraldichtefilter
Abgestufte Neutraldichtefilter (auch ND-Filter oder Graufilter genannt) verwendet man, um die hellsten Bereiche des Aufnahmebereiches, meist den Himmel, abzudunkeln. Indem man die korrekte Belichtung für Erde und Himmel weiter einander annähert, kann die Szene innerhalb des dynamischen Bereichs Ihrer Kamera aufgenommen werden. Das bedeutet, dass Sie die Landschaft mit einer einzigen Belichtung ohne überbelichtete Lichter oder zu dunkle Schatten fotografieren können.

Abgestufte Graufilter
Abgestufte Graufilter sind in verschiedenen Stärken, die unterschiedliche Mengen von Licht blockieren, mit einer harten oder weichen Abstufung, erhältlich. Ob Sie eine harte oder weiche Abstufung verwenden, hängt davon ab, wie stark definiert der Übergang zwischen Himmel und Erde ist. Eine weiche Abstufung ist vorzuziehen, wenn ein Objekt über die Trennlinie geht, wie zum Beispiel ein Baum (auf dem bei einem Filter mit harter Abstufung eine Linie sichtbar sein würde).
Wir würden eher rechtwinklige “Einschub”-Neutraldichtefilter empfehlen, denn im Gegensatz zu den runden Neutraldichtefiltern, können Sie die Position des Effekts besser verändern und den gleichen Filter auf Objektiven mit verschiedenen Filtergewindegrößen verwenden. Von Cokin gibt es ein beliebtes Neutraldichtefilter Set mit drei verschiedenen Filterstärken und einem Filterhalter. Alles was Sie sonst noch benötigen ist ein Adapterring, um den Filterhalter auf Ihr Objektiv zu montieren. Natürlich können Sie auch einzelne abgestufte Neutraldichtefilter von z.B. Cokin & LEE wählen.
Runde Polfilter
Schrauben Sie einen runden Polfilter auf Ihr Objektiv und Ihre Fotos erhalten wie von Zauberhand* sattere Farben, weichere weiße Wolken und weniger Spiegelungen.
* Physiker und belesene Fotografen dürfen bei dieser Erklärung mit den Augen rollen. Weitere Informationen über Polarisationsfilter erhalten Sie bei Camerapedia.org (Englisch).

Runder Polarisationsfilter von Hoya
Die Verwendung eines Polarisationsfilters ist einfach: Drehen Sie den Filter während Sie durch den Sucher schauen, bis der Effekt seine volle Stärke erreicht. Der Polarisationseffekt ist am stärksten, wenn Ihre Kamera im 90° Winkel zur Sonne steht, aber der Effekt ist auch in anderen Winkeln sichtbar.
Das Einzige, das Sie beachten müssen ist, dass mit einem runden Polarisationsfilter weniger Licht auf den Sensor gelangt (normalerweise 1,5 bis 3 LW). Die Belichtungsmessung Ihrer Kamera wird das kompensieren und die Verschlusszeit bei eingestellter Zeitautomatik verringern, was bedeuten kann, dass Sie ein Stativ benötigen, wenn es nicht besonders hell ist. Die Ergebnisse, die man mit einem Polarisationsfilter erreicht lohnen sich wirklich – sogar so sehr, dass Anfänger einen Polarisationsfilter auf ihre Einkaufsliste setzen sollten, gleich nach einem UV- oder Skylightfilter zum Schutz des Objektivs. Runde Polarisationsfilter gibt es u.a. von Hoya, Sigma und B+W in unserer Kategorie Gewindefilter.
Neutraldichtefilter
Neutraldichtefilter (Graufilter) ohne Abstufung werden verwendet um die Belichtungszeit absichtlich zu verlängern, ideal für das “verwischen” von schnellen Bewegungen, wie zum Beispiel Wellen oder Wasserfällen. Ein Neutraldichtefilter zur Verlängerung der Belichtungszeit ist eine super Alternative zu einer kleineren Blende, die die Bildqualität bei einer Blende 11 oder 16 auf Grund von Diffraktion beeinträchtigen kann.
Graufilter sind in verschiedensten Dichten erhältlich, je nachdem wie viel Licht Sie herausfiltern möchten. Ein guter Start wäre ein ND4 oder ND8 Filter, höhere Dichten sind schon ziemlich speziell und ein ND2 ist in den meisten Fällen nicht stark genug.
| Optische Dichte (Absorbanz) | Reduktion der Blendenstufe | Durchlässigkeitsgrad | |
| ND2 | 0,3 | 1 | 50% |
| ND4 | 0,6 | 2 | 25% |
| ND8 | 0,9 | 3 | 12,5% |
| ND64 | 1,8 | 6 | 1,5625% |
| ND1000 | 3,0 | 10 | 0,1% |
| ND10000 / NDX | 4,0 | 13 | 0,01% |
| ND1000000 | 6,0 | 20 | 0,0001% |
Quelle: Neutraldichtefilter-Seite von Wikipedia (Englisch).
Die Vorteile der Verwendung eines echten Filters gegenüber der Photoshop-Bearbeitung sind hoffentlich überzeugend. Sicher, Sie müssen wahrscheinlich immer noch kleinere Korrekturen in Photoshop oder Ihrem bevorzugten Bildbearbeitungsprogramm vornehmen, hoffentlich jedoch nicht den Großteil der Arbeit. Stellen Sie sich nur vor, wie viel Zeit am Computer Sie einsparen! Weitere Argumente in der Filter statt Photoshop-Debatte finden Sie in Filters vs Photoshop auf PopPhoto.com (Englisch).
Gerader Horizont
Nichts stört eine tolle Landschaftsaufnahme mehr als ein schiefer Horizont. Die Bildkorrektur mit einer Drehung in Photoshop um ein paar Grad ist nicht die beste Lösung. Durch das Drehen des Fotos verlieren Sie Auflösung (das Bild muss beschnitten werden, um die Kanten wieder zu begradigen) und Details gehen im Rest des Bildes durch Interpolierung verloren (verlustfreies Drehen ist nur bei 90 oder 180° Drehungen möglich). Die beste Lösung ist, den Horizont zu begradigen, bevor das Bild aufgenommen wird und dazu haben Sie folgende Möglichkeiten:
- Interne Gitterlinien der Kamera. Die meisten digitalen Spiegelreflexkameras haben eine Option zur Einschaltung von Gitterlinien im Sucher. Die Gitterlinien sind normalerweise nach der “Drittel-Regelung” angeordnet, was auch für eine effektive Bildkomposition hilfreich ist.
- Virtueller Horizont. Einige digitale Spiegelreflexkameras haben einen integrierten virtuellen Horizont, sozusagen eine digitale Wasserwaage auf dem LCD Display im Live View Modus oder im Sucher, wenn man die Belichtungskorrekturanzeige einschaltet. Auf der Nikon D700 und D3 ist das mit der Fn-Taste möglich – Sie können prüfen, ob eine Aufnahme gerade ist, ohne Ihr Auge vom Sucher zu nehmen.

Virtueller Horizont im Live View

Virtueller Horizont im Sucher
- Wasserwaage. Eine auf den Blitzschuh aufgesteckte Wasserwaage ist eine gute Möglichkeit, um eine gerade Position der Kamera sicherzustellen. Manfrotto stellt eine zweiachsige Wasserwaage für den Blitzschuh her und Seculine bietet eine digitale Wasserwaage.
Ändern Sie Ihre Perspektive
Wenn Sie ein Ultraweitwinkelobjektiv ständig fest an Ihrer digitalen Spiegelreflexkamera haben, ist es leicht in die Falle zu tappen und alle Aufnahmen mit der größten Brennweite aufzunehmen. Das ist zwar für viele Szenarios gut, aber Sie könnten einige tolle Möglichkeiten für Ihre Landschaftsaufnahmen verpassen: Wechseln Sie auf ein Tilt-und-Shift-, Fischauge- oder Teleobjektiv um neue Sichtweisen auf die Szene vor Ihnen zu bekommen.
Ultraweitwinkelobjektive sind super – die Möglichkeit, einen großen Blickwinkel einzufangen kann einer Aufnahme sogar mehr Dramatik verleihen – so hat beispielsweise das besonders beliebte Sigma 10-20 mm Objektiv bei 10 mm einen Winkel von 102 Grad (auf einer Kamera mit APS-C Format). Die Herausforderung bei einem Ultraweitwinkelobjektiv liegt darin , dass es schwieriger sein kann einen interessanten Vordergrund oder einen Bezugspunkt innerhalb der Aufnahme für das Auge des Betrachters zu erzeugen. Vergessen Sie also nicht, etwas Abwechslung hineinzubringen!
Gestochen scharf!
Ihr Foto darf nur dann unscharf sein, wenn es von Ihnen gewollt ist, wenn es ein fließender Wasserfall oder voller schneller Bewegungen ist. Alles andere sollte gestochen scharf sein, jedes kleinste Detail sollte zu erkennen sein und es sollte möglich sein sehr große Ausdrucke davon zu machen. Versuchen Sie folgendes, um scharfe Fotos zu erhalten:
Verwenden Sie ein Stativ
Ein stabiler Untergrund ist ein wichtiger erster Schritt, um scharfe Fotos zu schießen, besonders wenn Ihre Verschlusszeit unter einem bestimmten Wert liegt. Als Faustregel kann man aus der Hand aufgenommene Fotos bei einer Verschlusszeit von 1/ Brennweite aufnehmen. Zum Beispiel kann man Aufnahmen mit einem 30 mm Objektiv bei 1/30stel Sekunde oder kürzer gut stillhalten. Selbst wenn Ihre Verschlusszeit kurz genug für ein aus der Hand aufgenommenes Bild ist, verbessert ein Stativ immer noch die Schärfe Ihres Fotos.
Die Wahl des Stativs beruht auf Stabilität, Gewicht, Kosten und anderen Gesichtspunkten. Für Landschaftsaufnahmen eignet sich ein stabiles und trotzdem leichtes Stativ am besten, besonders, wenn Sie über weite Strecken wandern. Das Manfrotto 190CXPRO4 Stativ ist eine gute Wahl – es wiegt nur 1340 g, hat eine maximale Tragkraft von 5 kg und ist zusammengeschoben nur 50 cm lang. Der einzige Nachteil ist die maximale Höhe von 122 cm, wenn die Mittelsäule unten ist (höhere Stabilität), diese kann aber, wenn nötig, auf 146 cm ausgezogen werden.
Verwenden Sie einen Fernauslöser
Bei niedrigen Verschlusszeiten kann selbst das Drücken des Auslösers Ihre Fotos durch die Vibration der Kamera verwackeln, auch wenn Sie ein Stativ verwenden. Die Lösung ist ein Fern- / Kabelauslöser oder der Selbstauslöser Ihrer Kamera.
Spiegelfeststellung (MLU) einstellen
Bilder die mit einer Verschlusszeit von 1/2 – 1/20stel Sekunde aufgenommen werden, können vom Klacken des Spiegels verwackelt werden, wenn der Sucherspiegel nach oben schwingt, um Licht auf den Sensor fallen zu lassen. Die Feststellung des Spiegels ist nur auf Kameras der höheren bis Profiklassen erhältlich, schauen Sie in Ihrer Bedienungsanleitung oder den Menüs und versuchen Sie es mal! Verwirrt? Luminous Landscape (Englisch) hat ein Tutorial für die Spiegelfeststellung.
Hyperfokal Fokussieren
Positionieren Sie Ihren Fokus auf die hyperfokale Entfernung, denn somit erhalten Sie bei allen Blendenwerten die größte Tiefenschärfe. Dies ist eine nützliche Methode, um Bilder mit der größtmöglichen Schärfe vom Vordergrund bis Unendlich zu erhalten. Lesen Sie dazu die Anleitung zu hyperfokalem Fokussieren (Englisch) und ermitteln Sie hyperfokale Distanzen mit dem Tiefenschärferechner von DOFmaster (Englisch).

Dunoon von Oliver Peate ©
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Abdul