6 May 20112,096 views4 Kommentare

Tipps für Hochzeitsfotografen – und alle die es werden wollen

von Uzair Kharawala, April 2011

Hochzeitsfotografie ist heutzutage ein wirkliches Big Business. Auch deshalb streben es viele Berufsfotografen an, als Hochzeitsfotograf tätig zu sein, ganz egal ob in Teil- oder Vollzeit. Aber: Bei professioneller Hochzeitsfotografie geht es nicht bloß darum, einfach ein paar Aufnahmen von einem besonderen Tag zu machen. Es steht sehr viel mehr Arbeit dahinter als manch einer glauben mag; man merkt es häufig erst, wenn es bereits zu spät ist…

Hier gibt es einige und hoffentlich nützliche Tipps und Tricks meinerseits…

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Mit Menschen umgehen

Hochzeitsfotografie ist sehr viel mehr als einfach nur den Auslöser zu drücken. Es geht darum mit Menschen umzugehen und gleichzeitig dem hohem Druck Stand zu halten. Man arbeitet immer gegen die Uhr und muss sicherstellen, dass man wirklich auch die Aufnahmen bekommt, die das Hochzeitspaar vom Ihrem großen Tag erwartet und Ihnen gleichzeitig nicht zu viel Zeit raubt.

Mit dem Unerwarteten rechnen

Haben Sie schonmal darüber nachgedacht, was Sie tun würden, wenn Sie ein Hochzeits-Shooting kurzfristig absagen müssten, z.B. wegen Krankheit, einem Unfall oder einem anderen Notfall? Wenn man für diesen Fall nicht geplant hat, findet man sich ganz schnell in einem riesigen Schlamassel wieder. Man sollte immer einen oder besser sogar zwei Fotografen in der Hinterhand haben, die im Notfall einspringen, oder einen selbst unterstützen können. Ein funktionierendes Netzwerk gleichgesinnter Fotografen ist desbalb ein unverzichtbares Muss für jeden Hochzeitsfotografen.

Versicherungen

Grundsätzlich benötigt man zwei unterschiedliche Typen von Versicherungen: die erste ist eine Betriebshaftpflichtversicherung und die zweite eine Berufshaftpflichtversicherung. Manche Ausrichter/Veranstalter der Hochzeit verlangen eine Kopie der Betriebshaftpflichtversicherung, da die Foto-Arbeiten während der Hochzeitsfeier auf Ihrem Gelände bzw. in Ihren Räumen durchgeführt werden. Mit einer Berufshaftpflichtversicherung sichert man sich selbst gegen eigene Nach- und Fahrlässigkeiten, den Verlust oder Diebstahl von Speicherkarten oder andersweitig bei der Arbeit beschädigte Ausrüstungsgegenstände ab. Für einen entsprechenden Job sollte man also auch noch einmal einen genauen Blick in seine Versicherungsunterlagen werfen.

Vorbereitet sein

Extrem gute Vorbereitung: Zeitmanagement ist sowohl bei den Gruppenaufnahmen wie auch bei Einzelaufnahmen mit dem Brautpaar äußerst wichtig. Ein gutes Zeitmanagement stellt sicher, dass Braut und Bräutigam Ihren großen Tag mit all Ihren Gästen genießen können und ihn nicht mit dem Fotografen verbringen müssen! Ich versuche, dass die Sessions mit dem Brautpaar nur maximal 15 bis maximal 20 Minuten dauern. Sie finden meist direkt nach der Zeremonie und dann nochmals vor der ersten Tanzeinlage statt – natürlich nur sofern die Lichtverhältnisse dies zulassen.

Schriftliche Verträge

Man muss sich selbst sowie das eigene Unternehmen vorsorglich gegen sämtliche Kosten absichern. Dafür benötigt es definitiv einen schriftlich fixierten Vertrag zwischen Fotograf und Brautpaar. Im Vertrag sollten alle wichtigen Einzelheiten wie zum Beispiel der Hochzeitstag und -ort, Zahlungssystem, etc. festgehalten werden. Zudem sollten die allgemeinen Geschäftsbedingungen immer auf der Rückseite des Vertrages vermerkt sein. Diese sollten auf jeden Fall beinhalten, welche Bedingungen gelten, falls das Brautpaar den Vertrag kündigen möchte, wann die Zahlung erfolgen muss und was im Fall höherer Gewalt passiert.

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Ausrüstung

Bei Hochzeiten kann man kein Risiko eingehen – man sollte sämtliche Eventualitäten einplanen. Was, wenn eine Kamera den Geist aufgibt oder ein Blitzgerät plötzlich nicht mehr funktioniert? Wenn möglich, sollte man immer mindestens zwei Kameras, mehrere Blitzgeräte und eine ganze Sammlung geeigneter Objektive dabei haben. Ersatzakkus für Kamera und Blitzgeräte sowie eine Auswahl an CF und SD Karten geben die Sicherheit nicht „leerzulaufen“. Und man hat auch besser immer das Handbuch der Kamera dabei, denn man weiß nie genau wann man mal einen Blick reinwerfen muss.

Kamera

Als langjähriger Nikon-Nutzer empfehle ich für Hochzeits-Shootings die D700 als sehr gutes Basismodell. Wenn das Budget doch noch mehr hergeben sollte, ist die Nikon D3s auf jeden Fall die perfekte Wahl – sie ist großartig auch für Winterhochzeiten bzw. bei recht schwachem Licht. Ich habe bei einer Hochzeit bereits mit ISO 12800 fotografiert und die Aufnahmen im Album verwendet, ohne die Aufnahmen mit irgendeiner Software, die etwaiges Rauschen reduziert, bearbeitet zu haben – die Nikon D3s hat wirklich eine unglaubliche Bildqualität.

Objektive

Ich nutze bei Hochzeiten eine ganze Reihe unterschiedlicher Objetive, sowohl Zoom-Objektive als auch solche mit fester Brennweite. Man muss schon ein wenig investieren um sicherzustellen, dass man eine brauchbare Auswahl guter und schneller Objektive besitzt – die Qualität stellt sich insbesondere bei Aufnahmen in schwachem Licht heraus. In meiner Kameratasche finden sich immer folgende Objektive: Nikon 14-24mm f/2.8, Nikon 24-70mm f/2.8, Nikon 70-200mm f/2.8, Nikon 85mm f/1.4, 50mm f/1.4, 105VR f/2.8 und das 35mm f/2.
Man muss sich diese Objektive ja nicht alle zur gleichen Zeit anschaffen. Als ich angefangen habe Hochzeiten zu fotografieren, hatte ich nur drei Objektive im Repertoire: 24-70mm, 70-200mm und 50mm. Das 24-70mm ist ein großartiges Objektiv mit dem sich eigentlich fast die ganze Hochzeit fotografieren lässt; das 70-200mm ist ideal für Portraits und Schnappschüsse und das 50mm für vergleichsweise lichtarme Tanz-Aufnahmen am Abend. Mit der Zeit kann man sich dann sicherlich auch zusätzliche und qualitativ hochwertige Objektive zulegen.
Heute ist das 85mm f/1.4 mein Standartobjektiv für Portrait-Arbeiten und das 105 VR nutze ich für Close-Up Aufnahmen, beispielsweise von Brautaccessoires. Das 14-24mm ist ideal für die Hochzeitzeremonie in der Kirche oder für Weitwinkelaufnahmen.

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CF und SD Speicherkarten

Wenn Sie eine Kamera nutzen, die nur über einen Karten-Slot verfügt, rate ich zur Verwendung von Karten mit recht kleiner Kapazität, wie zum Beispiel 2 GB. Man stelle sich nur einmal vor, man nutzt nur eine 16 GB Karte und es läuft etwas schief, dann sind so ziemlich alle Bilder weg! Mehrere Karten mit geringer Kapazität minimieren somit ganz einfach das Risiko, und wenn man dann noch eine Kamera mit zwei Karten-Slots verwendet, kann man nahezu sorgenfrei arbeiten.
Ich persönlich nutze fast ausschließlich Lexar Karten in einer Kamera mit doppeltem Kartenslot. Kameras wie beispielsweise die D3s, D3x und die D7000 besitzen einen doppelten Slot. In der Regel verwende ich Karten mit einer Kapazität von 8 GB und nehme auf beiden Karten gleichzeitig im RAW Format auf, so dass ich schon direkt ein Back-Up der Aufnahmen habe.

RAW oder JPEG?

Immer RAW. Der Hauptgrund hierfür ist, dass die Nachbearbeitung am Computer wesentlich schneller geht als bei Aufnahmen im JPEG-Format. Zudem sichert man sich auch für die Zukunft ab: Sollte zum Beispiel in 5 Jahren eine neue und wesentlich leistungsfähigere Software auf den Markt kommen, lassen sich auch die Original-Aufnahmen immer noch problemfrei bearbeiten.

Beleuchtung

Für meine „on-location“ Beleuchtung bei Hochzeiten nutze ich den Nikon SB900 als kameraexternes Blitzgerät und steuere diesen mit der Nikon Blitzfernsteuerungseinheit SU800. Die Beleuchtungsausrüstung sollte bei Hochzeiten sehr mobil sowie leicht und schnell aufzubauen sein, deshalb nutze ich das Lastolite Speedlight Lighting Kit. Es ist wirklich schnell und einfach aufzubauen und man kann hiermit großartige Protraitaufnahmen des Brautpaares erzielen.
Seit neustem nutze ich auch die Einheiten Mini TT1 und Flex TT5 um meine externen Blitzgeräte auszulösen. Diese habe ich wirklich sehr schnell zu schätzen gelernt und sie haben meiner Arbeit geradezu eine neue Dimension gegeben. Diese Einheiten wandeln meine Nikon Geräte von Infrarot-Einheiten in Funk-Einheiten um, und arbeiten kontinuierlich und absolut zuverlässig.
Wenn ich ein wenig mehr Power benötige, um Sonneneinstrahlung oder Tageslicht zu überdecken, nutze ich die Lastolite Tri-Flash Bracket. Hier lassen sich drei Blitzgeräte gleichzeitig anbringen und zum Beispiel zusammen mit einem Schirm verwenden. Mit deren Power Blitzgeräten lässt sich dann auch starke Sonneneinstrahlung überdecken!
Geht es darum, die perfekte Ausleuchtung zu bestimmen, muss man schon recht aufmerksam sein, denn das Brautkleid sollte mit all seinen Details wirklich nicht zu sehr hervorstechen. Ich habe die Kamera bei Aufnahmen im manuellen Modus und habe somit immer die volle Kontrolle über Belichtung, Blende, Auslösung und ISO sowie die Kamera als solche – und ich bekomme im Laufe des Tages durchgehend vergleichbare Aufnahmen. Eine andere Alternative besteht darin, die Ausleuchtung mit Hilfe eines Belichtungsmessers zu bestimmen. Ein entsprechendes Gerät, den Sekonic L-308s, habe ich auch immer griffbereit. Ein großartiger, handlicher Belichtungsmesser der sehr einfach zu bedienen und zudem äußertst zuverlässig ist.
Das Thema Einheitlichkeit ist sehr wichtig wenn es an die Nachbearbeitung der Aufnahmen geht. Ich garantiere, dass man bei durchgehend konsistenten Aufnahmen später wirklich nur die Hälfte an Zeit für die Nachbearbeitung der Bilder am Rechner investieren muss.

Arbeitsschritt: Nachbearbeitung

Zur Nachbearbeitung und Editierung der Aufnahmen nutze ich die Software Aperture 3. Wenn Sie statt Mac einen PC nutzen, empfehle ich Lightroom 3. In Kombination mit einigen großartigen Plugins von Nik und onOne Software hat man meiner Meinung nach dann schon das ganze Paket zur Nachbearbeitung beisammen. Das gute an diesen Softwareprodukten ist, dass man mit Ihnen die Aufnahmen nicht zerstören kann. D.h. man kann nur durch einen einfachen Klick immer zur ursprünglichen RAW Datei zurückkehren.

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Arbeitsschritt: Business Management

Diesem Schritt schenken viele Fotografen in der Regel nur sehr wenig Aufmerksamkeit. Dabei sind gutes Management und Marketing äußerst wichtig, wenn es darum geht, ein profitables und wachsendes Unternehmen zu führen. Egal wie gut man als Fotograf auch sein mag, die verschiedenen Arbeitprozesse müssen stetig optimiert werden. Deshalb nutze ich in meinem Unternehmen die Software Foto SF. Diese Software unterstützt mich bei den unterschiedlichsten Aufgaben, vom Zeit- und Terminmanagement, dem Umgang mit meinen Kontakten und Erinnerungen bis hin zu Marketingtools und vielem mehr.

4 Kommentare »

  • Die Idee mit Deiner Seite finde ich toll. Und daher möchte ich auch noch Tipps/Erfahrungen dazu geben:

    Also ich würde das Brautpaar, das vor der Eissäule steht bestimmt nicht so unvorteilhaft ablichten. Das Brautpaar ist viel zu dick und man sollte das beim Fotografieren – meiner Meinung nach – auch berücksichtigen. Schnell kann man da das Paar verletzen. Was bei einem “hübschen” Brautpaar funktioniert, kann bei einem nicht so hübschen Brautpaar schnell in die Hose gehen.

    Das Brautpaar kann auch vor der Hochzeit eine 2-stündige Fotosession nutzen, wenn die Hochzeit so ca. 13 Uhr beginnt. Ausserdem wirkt das Brautpaar frisch, das Kleid ist noch schön. Und man nimmt dem Brautpaar einen gewissen Druck weg. Das Brautpaar geht entspannt zur Kirche, wenn man schon mal vorab die ersten Bilder auf dem Display zeigen kann.

    Was machst Du, wenn auch alle Ersatzfotografen ausfallen bzw. ausgebucht sind?

    Ich arbeite mit 2x Canon 5D Mark II und Speedlite-Blitzen,
    Canon 50mm f1.4, 24-70mm (reichen mir völlig aus, da die Bilder 21MP haben)
    5x 8GB Extreme III (nur RAW, ausser auf der Feier)

    Max. ISO-Wert mit lichtstarkem Objektiv wie das 50mm f1.4 ist definitiv 3200! Alles darüber ist unerträglich. In dunkler Kirche wird geblitzt, damit auch ein Lichtreflex in den Augen ist. Alles ohne Stativ.

    Versicherung habe ich noch nie benötigt (seit 6 Jahren arbeite ich problemlos). Wer unkonzentriert arbeitet, dem ist nicht zu helfen. Ausserdem machen Versicherungen immer Stress und verursachen jahrelangen Streit. Dann besser gleich Privatinsolvenz anmelden. Unser Gesellschaft ist von Angst geprägt und das nutzen die Versicherungen leider gnadenlos aus. Jetzt hagelt es bestimmt viel Kritik ;-)

    Für das Terminmanagement nutze ich den Online-Kalender von Hotmail und man kann gleich auf seine Emails zurückgreifen.

    Beim Vertrag gibt´s nur einen Verweis auf die AGB, die das Brautpaar auf der Homepage nachlesen kann.

    Viele Grüße aus Baden-Württemberg

    jonny

    jonny
  • Gute Tipps für Hochzeitsfotografen! Kann ich unterstreichen.

    Johannes Fenn Hochzeitsfotograf
  • sehr Gute Tipps , kann ich nur danke sagen :-)

    Lg

    Shadab

    Reza shadab
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