Was Sie schon immer über Filter wissen wollten
Daniel Hahn September 2010
Es gibt eine unzählige Menge von Filtern für die unglaubligsten Effekte und exotischsten Wünsche. Während vor gut 13 Jahren noch Filter mit Softherzumrahmung für Hochzeitsbilder oder Regenbogenfilter für besonders romantische Idyllen auf das Objektiv geschraubt wurden, bearbeitet der digitale Fotograf von heute seine Fotos hauptsächlich mit Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop und Konsorten nach. Ich möchte Euch in diesem Artikel gerne eine Filterart vorstellen, dessen Wirkung man nicht durch Software nachbearbeiten kann: Den Neutral- bzw. Graufilter. Hierbei muss noch zwischen zwei verschiedenen Arten unterschieden werden, der neutrale Graufilter ohne Verlauf ist durchgehend grau gefärbt:
Durchgängiger Graufilter:
ND2 (0.3)
- sind die am schwächsten getönten Filter, reduzieren um eine Blende und sind für leichte Verschwimmeffekte geeignet und längerer Belichtungszeit (ca. 1 Blende)..
ND4 (0.6)
- mittelstarke Tönung, reduzieren um zwei Blenden und geben dem Bild einen verstärkten Verschwimmeffekt und längerer Belichtungszeit (ca. 2 Blenden)..
ND8 (0.9)
- ist kaum lichtdurchlässig und reduziert um drei Blenden. Verwendet für extrem helle Situationen und einem Baumwolleffekt bei fließendem Wasser.
und der Verlaufsfilter welcher nur zur Hälfte grau gefärbt ist:
Grauer Verlaufsfilter:
ND1 (0.3)
- schwächster Verlaufsfilter reduziert das Licht um eine Blende und schafft die ideale Balance an dunklen, bewölkten Tagen.
ND2 (0.6)
- mitunter der gängigste Verlauffilter da der Filter für die meisten Land- und Wettervoraussetzungen geeignet ist. Reduziert das Licht um zwei Blenden.
ND3 (0.9)
- der stärkste Verlaufsfilter mit einer Reduktion von drei Blenden eignet sich besonders bei extrem hellem Himmel für effektstarke Wolkenformationen.
- Intensiviert blauen Himmel
- Eliminiert Blendeffekte und sättigt das Bild
- Minimiert Reflexionen von Glas und Wasser
- Nimmt ein bis zwei Blenden Licht und kann als ND Filter genutzt werden.
Beide Filter sind für den Landschaftsfotografen unentbehrlich um gewisse Effekte zu erzielen oder Bildinformationen aufzunehmen. Selbst der sensibelste Sensor ist nicht in der Lage die gleichen Informationen wie das menschliche Auge aufzunehmen. Das Auge hat einen Bereich von vier-und-zwanzig Blenden (RAW Dateien bis zu vierzehn) abbilden, während der durchschnittliche 35mm Film zwischen vier und sieben Blenden darstellen kann. Das macht sich besonders in extremen Lichtsituationen bemerkbar. Sitzen wir etwa in einem dunklen Raum mit einem Fenster, durch das helles Licht scheint, sind wir in der Lage Details sowohl im Fenster als auch im Raum zu sehen. Die Kamera hingegen ist nur in der Lage entweder einen dunklen Raum oder ein extrem überbelichtetes Fenster aufzunehmen. Eine Ähnliche Situation in der Landschaftsfotografie könnte etwa sein, dass wir ein Foto vor einem sonnigen Himmel mit dunklen und schattigen Vordergrund machen möchten. Hierbei würde uns der Verlaufsfilter helfen den helleren Himmel abzudunkeln und somit den Helligkeitsunterschied ausgleichen – das Ergebnis würde der Betrachtung durch das Auge fast gleichkommen.
Durch diesen Lichtausgleich werden mehr Bildinformationen in hellen Bereichen dargestellt. Zusätzlich zur Kontrastverstärkung indiziert der Filter sogar manchmal das Quäntchen Stimmung auf eine sonst eintönige Landschaft.
Der durchgehende Graufilter leistet einen etwas anderen Effekt ist aber genauso wichtig wie der Verlaufsfilter. Durch eine komplette Verdunklung des Objektives wird die Lichtmenge die in das Objektiv eindringt verringert und ermöglicht Aufnahmen mit längerer Belichtungszeit in helleren Aufnahmesituationen. Durch die länger Blendenöffnung ohne den Nachteil der Überbelichtung lässt sich z.B. ein Verschwimmungseffekt bewegter Objekte erzielen. Der Graufilter reduziert nur das Eindringen von Lichtwellen in das Objektiv ohne die Farbinformation zu beeinflussen. Der häufigste Einsatz des Filters ist ein Verschwimmungseffekt. Wasserfälle und unruhiges Gewässer bekommt so einen sanften Baumwolleffekt. Das ist jedoch nicht das einzige Anwendungsgebiet. Nachtszenen können mit dramatischen Lichtspuren aufgepeppt werden und Menschenmengen leer und gespenstisch gezeichnet werden. Nebenbei kann der Filter selbstverständlich auch zum abdunkeln extrem heller Aufnahmen genutzt werden oder einfach nur für längere Belichtungszeiten.
Schritt für Schritt
So verwenden Sie Ihren ND-Verlaufsfilter richtig:
Schritt 1 Welcher Filter?
Nachdem Sie die richtige Stelle gefunden haben machen Sie eine Ablesung vom Himmel und vom Boden – bei halb eingedrücktem Auslöseknopf bei einer Einstellung von F22 auf A (Blendenautomatik). Wenn der Unterschied zwischen Himmel und Land ca. doppelt so groß ist benutzen Sie einen 0.3 Filter, bei ca. vierfacher Zeit 0.6 und bei mehr 0.9.
Schritt 2 Einstellung von Blende & Verschlusszeit
Im nächsten Schritt sollte die Kamera auf (M)anuell gestellt werden. Als Blende und Verschlusszeit nun die Bodenwerte aus Schritt 1 eingeben. Die Aufnahme sollte jetzt als Überbelichtet angezeigt werden. Sollte die Kamera diese Information als Blendenwert anzeigen ist dies eine alternative Möglichkeit den richtigen Filter auszuwählen
Schritt 3 Komposition
Überprüfen Sie noch einmal die Bildauswahl – gerader Horizont, saubere Bildkanten, etc.
Schritt 4 Filtereinstellung
Legen Sie den Filter in den Halter mit der dunklen Seite nach oben und passen den Horizont mit der Verlaufskante des Filters ab. Nach korrekter Einstellung sollte der Belichtungsmesser wieder im Zentrum sein.
Schritt 5 Schärfe
Die Kamera sollte immer noch auf (M)anuell stehen und das Objektiv auf MF (manuellem Fokus). Nach einem letzten Blick durch den Sucher – zur Kontrolle ob alle vorherigen Einstellungen unverändert sind – sollten das Bild auf ca. 1/3 der Bildlänge Schaft gestellt werden. um eine maximale Schärfentiefe zu erzielen. Da Sie mit einer langen Belichtungszeit fotografieren, ist es immer Ratsam die Kamera per Selbstauslöser oder Fernsteuerung auf dem Stativ auszulösen, das verhindert Stösse und Verwacklungen.
Vor dem Kauf
Rund oder quadratisch
Filter mit Gewinde können mit Objektiv verstaut werden, Aufsteckfilter können schnell gewechselt und kombiniert werden.
Was schieße ich?
Kreisfilter sind nur eingeschränkt verwendbar für Wasseraufnahmen, Verkehr bei Nacht oder extrem helle Situationen. Verlaufsfilter können zusätzlich für Landschaftsaufnahmen genutzt werden.
Extreme Polarisation
Polarisationsfilter können ebenfalls zur Lichtreduktion verwendet werden und können bei Kombination auf bis zu vier Blenden reduzieren.
Nicht über die Kante stolpern!
Runde Filter und mehrere Filter hintereinander können auf Weitwinkelobjektiven zu unerwünschten Vignettierungen führen.
Schutz!
Gerade bei der Landschaftsfotografie sollte das Objektiv immer durch einen Schutz- oder UV Filter vor Witterungseinflüssen und Kratzern geschützt werden.
Die Wahl des Filtersystems hängt also von der Situation und den Wünschen des Fotografen ab, dennoch gibt es noch einiges zu beachten. Filter mit Gewinde und Filterhalter haben immer nur eine Gewindegröße und können daher nur auf bestimmte Objektive gesetzt werden. Da die Anschaffung eines guten Filtersets sehr schnell sehr kostspielig werden ist, kann ein „Step-up“-Adapterring eine kostensparende Lösung liefern und spart obendrein sogar noch Platz in der Fototasche. Der Kauf eines rechteckigen Verlaufsfiltersets bietet einen weiteren Vorteile; dass kann die Filter miteinander kombinieren und so noch stärkere Verdunklungen erreicht. Einziger Nachteil ist, dass Halter und Filter immer wieder abgenommen werden müssen da schon ein kleiner Kratzer den Filter unbrauchbar macht.
Der Preis spielt bei der Investition des Filters eine sehr grösse Rolle, hier zahlt man ausnahmsweise nicht für den Namen sondern für Qualität. Teure Filter sind reiner, besser verarbeitet und haben eine originalgetreue Farbwiedergabe. Ein günstiger Filter hingegen kann Farbverfälschungen verursachen oder Lichtstrahlen die in das Objektiv eintreffen sollen durch Unreinheiten im Filterglas ablenken. Was bringt die Investition eines teuren Objektives wenn man es anschließend mit einem billigen Filter versieht, man kauft ja auch kein schnelles Auto und zieht rund-erneuerte Reifen auf.
Anbei noch einige allgemeine Informationen über Filter:
Jeder Filterhersteller stellt seine eigenen Filterhalter her. Alle Halter erfüllen den gleichen Zweck: Das Halten eines oder mehrerer Filter zum unkomplizierten verringern des Lichteinfalls und zur Kombination und Wechseln von quadratischen Filtern.
Filterhalten haben mit wenigen Ausnahmen eine feste Gewindegröße; ein sogenannter Adapterring ermöglicht die Montage an ein Objektiv. Die Größe des Adapterringes wird hierbei vom Filtergewinde des Objektives bestimmt.
Vor dem Foto
So verwenden Sie Ihren ND-Verlaufsfilter richtig:
Kontrastregel
Im Verhältnis sollte der Himmel immer heller sein als das Land.
Nicht zuviel Filtern
Wasserverlangsamung oder Verschwimmungseffekte können ein Szene besonders hervorheben, zu viel wirkt jedoch unrealistisch.
Handarbeit
Sie können Einschubfilter auch vor Ihr Objektiv halten, wenn Ihre Kamera auf einem Stativ ist. Ein störender Lichtreflex kann durch Abschirmen des Objektives mit einem Blatt Papier oder der Hand verhindert werden. Achtung: Finger aus dem Bild!
Der richtige Dreh
Wenn Sie von Querformat auf Hochformat wechseln immer daran denken den Verlaufsfilter wieder auf Hochformat stellen.
Weich oder hart?
Benutzen Sie harte Verlaufsfilter bei geraden und gleichmäßigen Horizonten und weiche Verlaufsfilter bei ungleichmäßigen Horizonten.
Ein deutlicher aber entscheidender Punkt im Filterkauf ist der Markenunterschied. Die Vielzahl an verschiedenen Filtern macht den Kaufendscheid auf den ersten Blick schwer, jedoch gilt bei Filtern generell die Regel, desto teurer der Filter desto besser die Bildqualität. Teurere Filter filtern ein neutrales, unverfälschtes Licht wohingegen günstige Filter den Farbton des Fotos verändern und unreinheiten im Materiel zu unerwünschten Ergebnissen führen.
Um die Kosten gering zu halten stellen einige Firmen quadratische Filter Sets in günstigen 3er Sets zusammen.






Hi, super Artikel, Danke!
JupiterWas ist mit den 64x und 1000x von B+W (106, 110) +6 bzw +10 Blenden?
Und sollte man einen UV-486 Sperrfilter davor montieren?
B+W Filter sind qualitativ hochwertig und wie auch Lee Filter sehr zu empfehlen. Im Gegensatz zu Lee (siehe Blog) geben bei B+W die letzten 2 Ziffern in der Artikelbeschreibung die Stops an. Bspw. B+W 110 = 10 Blenden Lichtreduktion. Dieser Filter würde eine Belichtungszeit von 1 / 60 Sekunde zu einer 16 Sekunden verändern!
Der ND Filter B+W 106 reduziert das Licht um 6 Blenden und erlaubt somit längere Verschlusszeiten an hellen Tagen – um Wasserläufe oder andere Bewegungen weicher bzw. verschwommen darzustellen.
Der B+W 486 Filter blockt unerwünschte UV-und Infrarotstrahlen, die sich im nachhinein schlecht auf das Bild/Film auswirken können. Durch das Herausfiltern wirken die Bilder klarer und Farben werden natürlicher aufgenommen. Außerdem wird die Warscheinlichkeit auf sog. Geisterbilder die bei hochempfindlichen Kameras auftreten können ebenfalls minimiert. Sollte es bei der Benutzung von 2 Filtern hineinander nicht zu einer störenden Vignettierung kommen, kann ich die Kombination der beiden Filter nur empfehlen.
Daniel Hahn (author)