Wie man die Tier- und Pflanzenwelt in seinen Garten holt
Gleichgültig, ob man in einem Landhäuschen, einer Stadtwohnung oder in einer Vorortsiedlung lebt, es gibt viele Möglichkeiten, die heimische Tier- und Pflanzenwelt in Ihrem Garten zu fördern. Schon ein schön bepflanztes Staudenbeet, eine nett angelegte Spielecke für die Kinder oder gar nur ein Blumenkasten auf der Fensterbank macht es möglich. Zugegeben läßt sich nicht überall gleich alles verwirklichen, aber wenn man seinen Garten wirklich naturnaher gestalten möchten, dann könnten unsere Vorschläge sicher helfen. Bestimmt kann jeder einige wertvolle Anregungen und Tipps entdecken, wie man seinen Garten naturnaher gestalten kann. Wenn man das heimische „Naturschutzgebiet“ attraktiver für die Tier- und Pflanzenwelt gemacht hat, werden sich nach und nach immer mehr Arten ansiedeln und man wird viel Freude an den „neuen Mitbewohnern“ im Grünen haben.
Nistmöglichkeiten und Lebensraum zur Verfügung stellen
Vogel- und Fledermaushäuschen
Das Aufhängen von Vogelnistkästen fördert das Leben der Vögel durch sichere, vor Nesträubern geschützte Brutmöglichkeiten. Zudem fördert man dadurch die natürliche Schädlingsbekämpfung ohne Gift, da die Vögel kleine, schädliche Insekten an ihre Jungen verfüttern. Die Art der Vogelkästen und der Platz, an dem man die Nistkästen aufhängt, ist abhängig von der Art der Vögel, die man anlocken möchte. Generell gilt jedoch die Kästen so aufzuhängen, dass sie vor der Witterung und Nesträubern geschützt sind. Für die besten Chancen Bewohner für die Häuschen zu bekommen, sollte man sie in der ausreichend vor Beginn der Nistsaison aufhängen. Dieses verhindert außerdem, dass andere bereits nistenden Vögel gestört werden.�
Die Kästen für Fledermäuse sollten an einem sicheren, vor Wind und Räubern geschütztem Ort angebracht werden. Hochoben direkt unter der Dachkante ist schon mal ein guter Anfang. Hier gibt es eine Anleitung für den Bau eines Fledermauskastens. Denken Sie daran, die Nistkästen im Frühjahr vor der Brutzeit und im Herbst zu säubern, um Parasitenbefall zu verhindern.
Einen Komposthaufen anlegen
In einem Komposthaufen werden Laub und Pflanzenteile mit Hilfe von Bakterien, Pilzen und Bodenlebewesen in Humus umgesetzt. Dieser Humus kann im Garten als Bodenverbesserer und Dünger eingesetzt werden. Zudem bietet ein Komposthaufen sowohl Schutz als auch eine gute Nahrungsquelle für viele Würmer und Insekten, die wiederum Nahrungsquelle für Kleintiere wie Igel oder Kröten sind. Zugegeben, besonders attraktiv ist ein Komposthaufen nicht. Aber in einer ruhigen, blickgeschützen Ecke unseres Gartens finden wir bestimmt einen Platz, an dem sich im Herbst auch unsere scheuen Gartenfreunde wie der Igel wohlfühlen werden.

Foto von 'Joi' auf Flickr - Creative Commons
Ein Insektenhotel schaffen
Schon ein paar aufgeschichtete Äste oder Baumstümpfe in einer sonnigen, witterungsgeschützen Ecke fes Gartens reichen aus, um Insekten gute Brutmöglichkeiten zu bieten. Wenn dazu noch viele Wildkräuter und einheimische Sträucher und Bäume in der Nähe sind, hat man schon fast optimale Voraussetzungen für die Insekten geschaffen. Ideal ist, wenn man dazu noch Wasser anbieten kann. Schon ein kleiner Teich oder eine als Miniteich bepflanzte Regentonne bieten einen guten Lebensraum für wasserliebende Insekten. Einmal angelegt braucht so ein Insektenhotel keine weitere Pflege mehr, sondern wird sich selbst überlassen. Durch den Zersetzungsprozess wird unser Holzhaufen im Laufe der Zeit für die Insekten immer attraktiver. Natürlich können sie auch ein Luxus-Insektenhotel aufbauen in Form eines Gerüstes, das mit verschiedenen Materialien wie Schilf, durchlöcherten Backsteinen, Reisig und ähnlichem gefüllt wird. Diese Insektenhotels gibt es auch schon fertig zu kaufen oder sie finden Bauanleitungen im Internet.

Foto von 'takomabibelo' auf Flickr - Creative CommonsDen Rasenmäher einfach einmal stehen lassen!Für diejenigen mit einem großen Garten, bietet es sich an, einen Teil davon gezielt verwildern zu lassen. Einfach einen Teil des Rasens nicht mehr mähen und es werden sich viele Wildkräuter und Wildblumen dort ansiedeln, die einen Lebensraum für Käfer und Insekten bieten. Außerdem werden kleine Säugetiere wie Spitz- und Wühlmäuse angelockt, die diese Insekten gern verspeisen. Ein natürlicher Wiesenbereich stellt auch eine Nahrungsquelle und Schutz für Raupen und Schmetterlinge zur Verfügung. Foto von "Ich" @ WEX
Einen Steingarten anlegen
Eine weitere einfache Möglichkeit für den „faulen Gärtner“ ist das Anlegen eines kleinen Steingartens. Dieser zieht Frösche, Kröten und kleine Amphibien an, besonders wenn er auch in der Nähe eines Teiches angelegt wird.
Durch die Insekten, die es sich in den Nischen und Winkeln zwischen den Steinen bequem machen werden, bietet so ein Steingarten die Möglichkeit, dass sich Amphibien ansiedeln, um sich auf den Steinen in der Sonne zu räkeln.
Ein kleines Wasserbecken oder einen Teich im Garten anlegen
Wenn man sich glücklichschätzen kann und genug Platz im Garten hat, so schafft man durch das Anlegen eines Gartenteiches ein Biotop für viele Tierarten. Es muss ja nicht gleich eine großartiger Teich mit Enten und stolzen Schwänen sein, obwohl das natürlich nett wäre. Er sollte nur groß und tief genug sein, um einen ausreichenden Lebensraum für die verschiedenen Arten zu bieten. Genial wäre es natürlich, wenn er groß genug wäre, um auch Fische darin zu halten. Aber auch mit relativ kleinen Gewässern kann man einen Lebensraum für Frösche und Insekten wie Libellen schaffen. Ein kleiner Terrassenteich reicht schon, um nicht nur Wasserpflanzen ein neues Zuhause zu geben, sondern auch wasserliebenden Tieren. Wenn man aber wirklich einen richtigen Gartenteich anlegen möchte, sollte man bedenken, dass kleinere Tiere darin ertrinken könnten. Einige flache Stellen oder andere Ausgänge, an denen sie wieder aus dem Teich entkommen können, sollten angelegt werden. Wenn man selbst kleine Kinder hat, oder die Gefahr besteht, dass aus der Nachbarschaft Kinder den Garten betreten, so sollten man besser aus Unfallgründen auf einen Gartenteich verzichten oder man wartet besser ein paar Jahre, bis die Kinder größer sind.

Foto mit freundlicher Genehmigung von „'Mr Weeks Senior' @ Ma & Pa's Haus
Stellen Sie Nahrung und Wasser zur Verfügung
Schaffen Sie Futterplätze für die Vögel
Meisenknödel und einfache Futterspender gibt es in den meisten Supermärkten. Heimwerkermärkte und Gartencenter bieten eine große Auswahl von Futterplätzen und Vogelhäuschen für unsere gefiederten Freunde an, die auch in einem kleinen Garten aufgestellt werden können. Die verschiedenen Arten von Futterplätzen, die an einen Baum gehängt, auf eine freie Fläche gestellt oder oder sogar nahe dem Fenster angebracht werden können, bieten eine gute Möglichkeit, die Vögel bei der Futteraufnahme zu beobachten und zu fotografieren. Das Futter gibt es in verschiedenen Zusammensetzungen von Nüssen und Saaten, teilweise auch unter Zusatz von Fetten zu Knödeln ö.ä. geformt. Die verschiedenen Futtersorten ziehen auch jeweils unterschiedliche Vögel an. Somit können wir durch das Angebot an Futter in gewisser Weise auch die Art der gefiederten Besucher unseres Gartens mit beeinflussen.

Foto mit freundlicher Genehmigung von 'Mr Weeks Senior' @ Ma & Pa's-Haus
Vogelplatz und Vogeltränke in Ihrem Garten anbieten
Eine weitere sehr einfache Möglichkeit, die man in fast jedem Garten nutzen kann, ist ein Futterplatz für Vögel. Besonders in den Wintermonaten, ist ein solcher Futterplatz eine lebenswichtige Quelle an Futter für heimische Vögel, wenn ihre natürlichen Futtermöglichkeiten durch den Frost versiegen. Ein Futterplatz sollte an einer erhöhten, für die Vögel gut erkennbaren Position angelegt werden. Jedoch sollte dabei beachtet werden, dass er so angebracht ist, dass er für wildernde Tiere wie z.B. Katzen unerreichbar ist, damit sie sich nicht über die friedlich pickenden Vögel hermachen können. So ist zum Beispiel ein Futterplatz auf einer Fensterbank in einem Mehrfamilienhaus ein idealer Ort um im Winter Vögel zu füttern und dabei zu beobachten. Eine Vogeltränke bietet Vögeln sowohl die Möglichkeit zu trinken, wie auch ein kleines Vogelbad zu nehmen. Und das nicht nur im Sommer. Da Vögel oft im Winter durch Frost nicht die Möglichkeit haben, ihre angestammten Gewässer zu nutzen, kann man unseren gefiederten Freunden eine frostfrei gehaltene, vor Räubern geschützte Vogeltränke in unserem Garten eine Wasserquelle anbieten, sie sie sicher dankbar annehmen werden.
Anlocken von Säugetieren
Für viele Menschen ist das Herausstellen von Brot und Milch für Igel seit jeher eine bevorzugte Methode gewesen, um diese stacheligen Gesellen im Herbst und Winter zu füttern. Doch damit tun man ihnen keinen Gefallen. Diese Art der Fütterung kann bei Igeln gefährliche Verdauungsprobleme auslösen. Eine bessere Alternative ist hier eine spezielle Nahrung für Igel, die im Fachhandel erhältlich ist (ja, sowas gibt es!). Doch auch Hunde- oder Katzennahrung wird von den stacheligen Burschen gerne angenommen. Das Angebot an Futter kann natürlich auch andere Tiere wie z.B. Füchse anlocken. Je nach Einstellung zu anderen ungebetenen Besuchern wird einen das begeistern oder beunruhigen. Damit sich diese ungebetene Gäste nicht daran satt fressen, können Sie eine alte Kiste, mit einer Öffnung von ca. 7×7 cm, über das Futter stellen. Futterreste sollte unbedingt am nächsten Morgen entfernt werden. Man sollte den Igeln auch eine Tränke mit Wasser anbieten.
Anpflanzungen für frei lebende Tiere
Legen Sie eine Vogelschutzhecke an
Hecken bieten einer ganzen Reihe von Lebewesen wie Insekten, Vögeln und Säugetieren einen wichtigen Lebensraum und ausgezeichnete Brutmöglichkeiten sowohl für pelzige als auch gefiederte Freunde in unserem Garten. Auch bieten Hecken eine Möglichkeit sich auf sicheren Pfaden durch die Gärten zu bewegen. Sehr gut für eine Hecke geeignet sind Stechpalme (Ilex) , Eibe (Taxus), Sanddorn (Hippophaë rhamnoides), Buche (Fagus), Ahorn (Acer), japanische Kirsche (Prunus serrulata), Holunder (Sambucus), Weißdorn (Crataegus) oder Haselnuss (Corylus avellana). Wenn irgendwie möglich sollte eine in der Umgebung bereits vorhandene Hecke verwendet werden. Diese gedeihen hier gut und bieten viel einen viel besseren Lebensraum als die leider immer noch sehr beliebten immergrünen Zypressengewächse wie z.B. Thuja.
Blumen blühen lassen
Blumen in einem naturnahen Garten sind nicht nur schön anzusehen. Sie bieten auch einen Anziehungspunkt für wild lebende Tieren, indem sie Nahrung oder Schutz bieten. Blumenarten, die reich an Nektar sind, werden Bienen, Schmetterlinge oder andere nützliche Insekten anlocken. Auch Vögel werden den Garten aufsuchen, um die hier reichlich vorhandenen Insekten und Samen zu verspeisen.
Einen Baum pflanzen
Mindestens einmal im Leben soll man bekanntlich einen Baum pflanzen. Abhängig von dem Raum, den man zur Verfügung hat, wird ein Baum oder Strauch anschließend großes Interesse bei Insekten und bei Ihren gefiederten Freunden erregen. Denn ein solches Gehölz bietet hervorragende Nistmöglichkeiten. Wenn man viel Platz im Garten hat, eignen sich Ulme, Buche oder Esche um Tiere in den Garten zu locken, während für kleiner Gärten Holzapfel, verschiedene Nadelbäume, Weißbirke, Eibe und Erle geeigneter wären.
Vorschläge für die Bepflanzung des Gartens
Hier eine kleine, kommentierte Auswahl einiger gut geeigneter Pflanzen für den naturnahen Garten:
- Die Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa) – Ihre Samen stellen eine gute Nahrungsquelle für Vögel und andere wild lebende Tiere dar.
- Der Gewöhnliche Schneeball oder auch Gemeiner Schneeball, (Viburnum opulus); seine Sommerblüten verwandeln sich im Herbst zu roten Beeren und stellen eine gute Nahrungsquelle für Vögel bereit.
- Der Eingriffelige Weißdorn (Crataegus monogyna), auch Hagedorn, dessen Blüten beliebt sind bei allen bestäubenden Insekten, während die seine Blätter Nahrung für allerlei Raupen darstellen. Auch bietet er für Vögel Futter in Form von Beeren und hervorragende Nistmöglichkeiten.
- Kugel-Distel (Echinops ritro) – Ihre Blüten ziehen Bienen und Schmetterlinge an und die Samen der Blüten stellen anschließend Nahrung für Vögel zur Verfügung.
- Der Wiesenkerbel oder Wild-Kälberkropf (Anthriscus sylvestris), diese nektarreiche Pflanze zieht Schwebefliegen an, die Blattläuse essen.
- Die Vogel-Kirsche (Prunus avium) – Ihre Blüte lockt Insekten an, die Blätter schmecken den Raupen (die dann zu wunderschönen Schmetterlingen werden) und die Beeren schmecken Vögeln sehr gut (daher auch der Name).
- Die Süßdolde (Myrrhisodorata) – verströhmt sie ihren herrlichen Duft und zieht damit Bienen und andere Insekten an.
- Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii) – seine Blumen sind eine ausgezeichnete Nektarquelle und stellen einen wirklichen Schmetterlingsmagneten da!
- Zwergmispel (Cotoneaster horizontalis) – Sie produziert rote Beeren im Herbst und stellt Nahrung für Vögel und andere wild lebende Tiere zur Verfügung.
- Geißblatt (Lonicera periclymenum) – Das Geißblatt stellt Nektar für Schmetterlinge zur Verfügung und die Vögel essen die Samen dieser Pflanze.
- Schafgarbe (Achillea millefolium) – Die Schafgabe ist beliebt bei Bienen und Schwebefliegen.
- Die Hänge-Birke oder Weißbirke (Betula pendula)- Ihre Blätter zieht Motten sowie Raupen an und lockt Vögel wie Distelfinken an, die hier gern nisten und die Samen verzehren.
- Der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) – ist sehr attraktiv für den Bienen (einschließlich Hummeln) und für Schmetterlinge.
- Die Ringelblume (Calendula officinalis) – Ihre goldgelben Blüten ziehen Bienen, Schmetterlinge und andere nektarliebende Insekten an.
- Die Rotbuche (Fagus sylvatica) – ein heimischer Baum, der viele Insekten anlockt und ihnen Nahrung bietet.
- Die Schlüsselblume (Primula vulgaris) stellt im zeitigen Frühjahr eine Quelle des Nektars dar, während die Blätter Nahrung für Schmetterlingslarven bieten und die Samen durch Finken gern gefressen werden.
- Die Europäische Eibe (Taxus baccata), auch Gemeine Eibe oder auch nur Eibe genannt, produziert Nahrung für Vögel und andere wild lebende Tiere in Form seiner Beeren.
- Gemeine Stechpalme (Ilex aquifolium) – seine roten Winterbeeren stellen Nahrung für Vögel und andere Tiere zur Verfügung und zudem bietet der Ilex ausgezeichnete Nistmöglichkeiten.
- Die Vogelbeere oder Eberesche (Sorbus aucuparia). Seine Beeren sind eine gute Nahrungsmittelquelle für Drosseln und Stare.
- Der Klatschmohn (Papaver rhoeas), auch Mohnblume oder Klatschrose genannt, zieht Bienen und Schwebefliegen an.
Jetzt gehts los…
So, das waren nun einige Vorschläge, wie man seinen Garten naturnaher gestalten und damit mehr wildlebenden Tieren einen Lebensraum anbieten kann. Ohne Frage gibt es eine Unzahl von Möglichkeiten einen Garten “artgerechter” zu gestalten. Eine Vielzahl von Pflanzen kommen für einen naturnahen Garten grundsätzlich in Frage. Sicher fällt dem einem oder anderem selbst auch noch tolle Möglichkeiten ein, wie man den Garten in ein grünes Paradies für Pflanzen und Tiere verwandeln kann. Ideen, wie man bestimmte Tiere wie z.B. Katzen aus dem Garten fernhält würden wir sehr gerne hören. Also immer her damit!


















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